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Ich erinnere mich noch genau an diesen Moment. Wir saßen in der Berufsschule, mitten im Unterricht, als unser Lehrer — indirekt, aber für alle hörbar — sinngemäß sagte: „Es ist ja schön, dass Frauen meinen, sie müssen heute jeden Beruf ausüben. Aber man merkt es eben doch immer, wenn sie eigentlich nicht das Zeug dazu haben.“

Ich saß da, habe nichts gesagt. Und genau das war mein erster Fehler.

Heute, einige Jahre später, arbeite ich Vollzeit in der IT, studiere nebenbei Wirtschaftsinformatik und hätte diesem Lehrer so einiges zu erzählen. Dieser Blogpost ist das, was ich mir damals gewünscht hätte zu lesen.

1. Das Doppelte leisten — und trotzdem unsichtbar sein

Was mir niemand vorher gesagt hat: Als Frau in einem technischen Beruf musst du oft nicht gleich gut sein wie deine männlichen Kollegen. Du musst besser sein — und selbst dann wird dein Beitrag manchmal still übergangen.

Ich habe das am eigenen Leib erlebt. Ideen die ich eingebracht habe, wurden erst richtig ernst genommen, als ein männlicher Kollege sie wenige Minuten später nochmals sagte. Das ist keine Theorie. Das passiert.

Was hilft? Dranbleiben. Dokumentieren. Sichtbar machen was du tust — nicht aus Ego, sondern weil niemand anderes es für dich tun wird.

2. Die Meinung anderer — und warum sie dich nichts kostet außer Zeit

Das Wichtigste, was ich gelernt habe: Es muss dir egal sein, was jemand von dir hält.

Klingt einfach. Ist es nicht. Vor allem nicht, wenn du anfangs noch das Bedürfnis hast, dich zu beweisen, jeden Zweifel aus dem Weg zu räumen, jeden skeptischen Blick in Anerkennung zu verwandeln. Ich kenne das.

Aber hier ist die Wahrheit: Menschen die dich unterschätzen, haben sich meistens schon entschieden bevor du den Mund aufgemacht hast. Du wirst sie nicht überzeugen — nicht durch bessere Argumente, nicht durch härteres Arbeiten, nicht durch Perfektion. Der einzige Weg raus ist, den Fokus zu verlagern: weg von ihnen, hin zu dem was du wirklich willst.

Sobald mir das klar war, ist vieles leichter geworden. Nicht weil die Situation besser wurde — sondern weil ich aufgehört habe, meine Energie darin zu investieren.

3. Wie Männer wirklich arbeiten — und was das mit dir zu tun hat

Irgendwann habe ich angefangen zu beobachten. Wie kommunizieren männliche Kollegen miteinander? Wie stellen sie Ideen vor? Wie reagieren sie auf Kritik? Wie fordern sie Dinge ein?

Und ich habe gemerkt: Es ist komplett anders als das, was mir irgendwie beigebracht wurde zu tun. Männer formulieren direkter. Sie zweifeln weniger öffentlich. Sie stellen Dinge als Aussagen vor, keine Fragen. Sie nehmen sich Raum.

Das heißt nicht, dass du dich verbiegen musst. Aber wenn du verstehst wie das Spiel gespielt wird, kannst du entscheiden wann und wie du mitspielst. Und manchmal reicht es schon, genau diese Energie zu spiegeln — sachlich, klar, ohne Entschuldigung. Das ändert das ganze Spiel.

4. Was ich mir gewünscht hätte, früher zu wissen

Hier, ganz praktisch, was mir tatsächlich geholfen hat:

Lies dich in die Art und Weise ein, wie professionelle Kommunikation in technischen Umfeldern funktioniert. Es gibt gute Bücher dazu — nicht als Anleitung „sei wie ein Mann“, sondern als Werkzeugkasten.

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Bau dir ein Netzwerk auf — auch intern. Menschen die für dich sprechen, wenn du nicht im Raum bist, sind unbezahlbar.

Und: Hör auf, Fehler zu verbergen. Männer kommunizieren Fehler anders — schneller, direkter, mit Lösungsvorschlag. Das klingt selbstbewusster als Schweigen und hofft dass es niemand merkt.

Fazit: Du gehörst hier her

Dieser Lehrer aus der Berufsschule hatte unrecht. Nicht weil Frauen keine Schwächen haben — natürlich haben wir das, wie jeder Mensch. Sondern weil Kompetenz nichts mit Geschlecht zu tun hat. Und weil die Frauen die ich in der IT kenne, zu den hartnäckigsten, strukturiertesten und kreativsten Menschen gehören die ich je kennenlernen durfte.

Bleib dran. Verlier den Fokus nicht. Und lass dir von niemandem einreden, dass du nicht hierher gehörst. 💪

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